Glaube und Tradition

„… denn der Herr ist dein ewiges Licht …“ (Jes 60,19)

Redaktion am 17.11.2025

Totenleuchte in Laufen. Info Icon Foto: Maximiliane Heigl-Saalfrank
Totenleuchte in Laufen.

Über die Totenleuchte im Trauermonat November – Nur noch wenige Kirchhoflaternen erhalten

Über Leucht­tür­me sagt man, dass sie einem selbst an dun­kels­ten Orten das Gefühl geben, hof­fen zu dür­fen – auf ein Ent­rin­nen aus aus­weg­lo­ser Lage und das Wei­ter­le­ben. So ähn­lich mögen es die Schif­fer emp­fun­den haben, wenn sie bei Dun­kel­heit, beson­ders aber in den nebe­li­gen Herbst­mo­na­ten von Hal­lein kom­mend auf der Salz­ach gen Lau­fen fuh­ren und beim Anle­gen am Ufer das Fla­ckern des Armen­see­len­lichts“ ent­deck­ten, das hoch oben im Taber­na­kel­pfei­ler über dem Got­tes­acker ganz­jäh­rig brann­te. Wind und Wet­ter seit mehr als einem hal­ben Jahr­tau­send trot­zend und aus dem an Inn und Salz­ach so typi­schen Tuff­stein geschla­gen, steht die Toten­leuch­te neben der Pfarr- und Stifts­kir­che Mariae Him­mel­fahrt heu­te auf einem Wie­sen­fleck. Ihre Nach­bar­schaft ist pro­fan, der Blick fällt mehr auf die pro­vi­so­ri­schen Ver­kehrs­schil­der, Holz­bö­cke und par­ken­den Autos als auf die mitt­ler­wei­le ver­wit­ter­te Säu­le mit ihrem vier­ecki­gen, gedrun­ge­nen Sockel, dem ver­git­ter­ten vier­sei­ti­gen Gehäu­se und dem wind­schie­fen schmie­de­ei­ser­nen Kreuz auf der Dach­spit­ze. Nichts kün­det mehr von ihrer gro­ßen Ver­gan­gen­heit als dem ewig liecht oder steynen lucht­in“, dem stei­ner­nen Pfei­ler, in des­sen Gehäu­se das Arme­see­len wär­men­de Licht Tag und Nacht brann­te für alle, die in sei­ner Nähe ihre letz­te Ruhe gefun­den haben – sei es auf dem Fried­hof oder im nahen Kar­ner. Die­ses Licht ver­hieß allen Toten dort die Hoff­nung auf ein erleuch­te­tes Leben in der Ewig­keit, unab­hän­gig von Stand und Geschlecht.

Totenleuchte in Waging. Info Icon Foto: Maximiliane Heigl-Saalfrank
Totenleuchte in Waging.

Die Lau­fe­ner Toten­leuch­te, erst­ma­lig 1621 urkund­lich erwähnt, gehört zu den sel­te­nen noch erhal­te­nen Kirch­hof­la­ter­nen in Süd­ost­bay­ern. Man bringt die­se regio­na­le Beson­der­heit in Zusam­men­hang mit der ehe­ma­li­gen Zuge­hö­rig­keit zum Fürst­bis­tum Salz­burg, des­sen stark bene­dik­t­i­ni­scher Prä­gung und dem Ein­fluss der Zis­ter­zi­en­ser an Rott und Salz­ach. Es sol­len die­se bei­den Ordens­ge­mein­schaf­ten gewe­sen sein, die Kult, Bau­stil und ‑tech­nik der Lan­ter­ne des mor­ts“, der Toten­la­ter­ne, aus Frank­reich in unse­re Gegend getra­gen haben.

Im Über­gang von der Roma­nik zur Gotik waren dort frei­ste­hen­de Bau­wer­ke in Mode gekom­men, die in ihrem obe­ren Teil mehr­sei­tig geöff­ne­te Later­nen ent­hiel­ten. In der Gotik gewan­nen sie immer mehr an Höhe. Ker­zen oder Öllam­pen konn­ten nicht mehr ein­fach ein­ge­stellt wer­den, son­dern muss­ten durch einen klei­nen Seil­zug im Schacht­in­ne­ren nach oben trans­por­tiert wer­den. Auch der Bau­stil wur­de immer ela­bo­rier­ter: Die Licht­säu­len erin­ner­ten optisch mit ihren Spitz­bö­gen, Kreuz­rip­pen­ge­wöl­be, Stre­be­bö­gen, Stre­be­pfei­lern und Spitz­gie­bel­chen immer mehr an goti­sche Kirch­tür­me en minia­tu­re. Eines der schöns­ten Toten­lich­ter goti­scher Ver­spielt­heit steht heu­te im Dom­gar­ten zu Regens­burg. Es wur­de im frü­hen 14. Jahr­hun­dert durch eine Stif­tung Regens­bur­ger Bür­ger errichtet.

Ähn­li­che, zum Teil wesent­lich älte­re Licht­stöckl fin­det man in der Vor­hal­le des Frei­sin­ger Doms, an der Pfarr­kir­che in Ering, in Tei­sen­dorf ent­lang der Trep­pe zum Neu­en Fried­hof, in Ruh­pol­ding süd­lich der Pfarr­kir­che St. Georg und in Waging an der Süd­sei­te der Kir­che. Dort brennt an den See­len­ta­gen eine wei­ße Ker­ze mit schwar­zem Trau­er­flor. In Mühl­dorf am Inn ist eine Toten­säu­le neben dem ehe­ma­li­gen Kar­ner seit 1390 durch eine Ewig­geld-Stif­tung für das Licht urkund­lich nach­ge­wie­sen, die Spur des Bau­werks ver­liert sich aber irgend­wann im 18. Jahr­hun­dert. Dies gilt für vie­le Orte zwi­schen Rott, Inn und Salz­ach, so auch für Pfarr­kir­chen. Vie­le Säu­len wer­den in der Zeit der Auf­klä­rung, als die Fried­hö­fe aus hygie­ni­schen Grün­den außer­halb der Ansied­lun­gen ver­legt wur­den, abge­bro­chen oder fan­den wäh­rend der Säku­la­ri­sa­ti­on ihren Weg in Muse­en und sakra­le Kunst­samm­lun­gen. Nicht ver­ges­sen wer­den soll­te auch, dass der Erfolg luthe­ri­scher Ideen in Süd­ost­bay­ern, im angren­zen­den Inn­vier­tel und Salz­kam­mer­gut die Sepul­kral­kul­tur zutiefst ver­än­der­te, die sich in der Gegen­re­for­ma­ti­on kaum änderte.

Totenleuchte in Teisendorf. Info Icon Foto: Maximiliane Heigl-Saalfrank
Totenleuchte in Teisendorf.

Die ursprüng­lich goti­sche Toten­leuch­te auf dem Fried­hof der Pfarr­kir­che St. Valen­tin in Mar­zoll bei Bad Rei­chen­hall erfuhr eine für die Licht­säu­len fast typi­sche Umwid­mung zum Krie­ger­denk­mal, übri­gens eines der ältes­ten in Bay­ern. Die Öff­nun­gen des Taber­na­kels wur­den in Napo­leo­ni­scher Zeit mit Plat­ten aus Unters­ber­ger Mar­mor ver­schlos­sen, in zwei sind die Namen und Todes­da­ten gefal­le­ner Sol­da­ten ein­gra­viert. Auch der Säu­len­schaft wur­de dem neu­en Zwe­cke ent­spre­chend umgestaltet.

Ande­re, meist klei­ne­re, Toten­säu­len, die außer­halb der eigent­li­chen Fried­hö­fe auf Pestä­ckern, an Richt­stät­ten oder vor den Sie­chen- und Lepro­sen­häu­sern stan­den, wur­den häu­fig zu Bild­stö­cken umge­ar­bei­tet. Die eigent­li­chen Licht­häus­chen sind mit Bild­plat­ten, Zier­re­li­efs oder Text­ta­feln ver­schlos­sen, man­che ber­gen im Inne­ren Hei­li­gen­fi­gu­ren und muten wie Kapel­len an. Für Ker­zen ist kein Platz mehr. Die Andacht an die Toten, denen die Käl­te des Gra­bes gewärmt und ihre Lei­dens­zeit erhellt wer­den soll­te, scheint ver­ges­sen. Nicht ver­än­dert hat sich aller­dings die Sicht­ach­se die­ser Klein­denk­mä­ler. Sie ist, wie zur Zeit ihrer Errich­tung im Mit­tel­al­ter, immer noch auf die jewei­li­ge Pfarr­kir­che, den Kar­ner und den Fried­hof ausgerichtet.

Auch im kol­lek­ti­ven Gedächt­nis scheint bis weit ins 20. Jahr­hun­dert die Erin­ne­rung an die Toten­lich­ter und ihre eigent­li­che Bedeu­tung leben­dig geblie­ben zu sein, wie die Geschich­te des Toten­lichts von Eßbaum“ aus der Gegend von Soy­en, nord­west­lich von Was­ser­burg am Inn, zeigt. – Seit dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg soll dort immer Anfang Novem­ber ein wie­der­gän­ge­ri­scher Toten­grä­ber Toten­lich­ter ent­zün­det haben. Der Orts­pfar­rer war der Spuk(bierrausch-)geschichte leid und errich­te­te auf dem Pesta­cker 1932 ein Kreuz. Licht brennt seit­her dort kei­nes mehr.

Text und Fotos: Maxi­mi­lia­ne Heigl-Saalfrank

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