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Im Auge des Hurrikans
Im Auge des Hurrikans
Im Auge des Hurrikans

Kommentar. Dieser Halbsatz hat gesessen: „...trotz der säkularen Ideologie der Europäischen Union.“ Ausgesprochen hat ihn Kardinal Seán Patrick O‘Malley in Altötting (siehe Seite 8), als er das Wallfahrtsjahr offiziell eröffnete. Manchmal braucht es den Blick von außen, um die Lage besser einordnen zu können. Die weltkirchliche Sichtweise und -weite des amerikanischen Gastes machen nachdenklich. Europa hat sich mit der Weigerung, einen Gottesbezug in eine EU-Verfassung aufzunehmen, selbst geschwächt. Wer auf den Segen von oben pfeift, braucht sich nicht zu wundern, wenn es unten drunter und drüber geht.
Ja, im Auge des Hurrikans soll es relativ ruhig sein – während ringsherum die Welt unterzugehen droht. Bildhaft gesehen gilt das auch für „unsere Religion“, die zwar nicht von Naturgewalten, dafür aber von Menschen geschunden wird. In vielen Regionen der Erde werden Katholiken – wie auch andere Christen – verjagt, eingesperrt oder niedergemetzelt.
200 Millionen Christen gelten als verfolgt. Ihnen geht es im wahrsten Sinne des Wortes an die Gurgel, wenn sie ein Kreuz tragen und Christus bezeugen. Von blindwütigen Religionsfanatikern werden sie als „Ungläubige“ gehasst. Christenverfolger – von denen es heute mehr gibt als im Alten Rom – sehen in der Bibel ein extrem gefährliches Buch; so riskant, dass der, der es besitzt, in manchen Ländern behandelt wird, als verstecke er eine Handgranate im Schrank.
Unter den verfolgten Christen, unseren Brüdern und Schwestern, ist ein tiefes Glaubenszeugnis spürbar. Bei ihnen wächst der Glaube wie ein Baum. Er geht tief in den Boden, gibt Halt. Deswegen kann er bei ihnen hoch in den Himmel wachsen.
Und wie schaut es bei uns aus? Wir leben in einer verdrehten Welt. Mit einem Geschenk wie der Religionsfreiheit wird umgegangen, als sei es Konkursmasse. Die Worte von Gottes Propheten, die schon zu einem frühen Zeitpunkt vor der Zerstörung und Verödung Jerusalems warnten, könnte man auf die Kirche im
21. Jahrhundert beziehen. Bischof Stefan Oster hat das in einer seiner Predigten einmal so thematisiert: „Ich habe gehört, dass in jedem Jahr in ganz Europa und quer durch die Konfessionen 1000 Kirchen entweder zugesperrt oder profaniert oder einem anderen Zweck zugeführt werden. 1000 Kirchen, die einst dazu gebaut waren, dass in ihnen Gott die Ehre gegeben wird.“ Und er fragte: „Was ist los mit diesem Alten Europa?“
Wir können es hören, sehen, spüren: Hierzulande ist es Volkssport geworden, auf die Katholische Kirche einzudreschen. Kreuzzügler, die auf allen Kanälen nach dem Motto „Spott und Hohn für Gott und Sohn“ Quote machen, verstecken sich hinter einer angeblichen „künstlerischen Freiheit“. Das Gerede von dieser Freiheit würde ich jenen Leuten abnehmen, wenn sie bei allen Religionen mit gleicher Elle messen – was sie aber nicht tun. Oder hat jemand einen Kabarettisten oder Talkshow-Gastgeber gehört, der unsere Bundesregierung ins Gebet nahm, weil diese 350 Imamen aus der Türkei im Jahr 2017 die Einreise erlaubte? Was diese von Erdogans Gnaden gesandten „Geistlichen“ wohl „predigen“?
Bei aller Häme haben wir Christen Glück im Unglück. Wir können diesen Zeitgeist ertragen. Matthäus hat für uns in Kapitel 12, Vers 36, Trost und Hoffnung parat: „Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen.“

Werner Friedenberger



Autor: Werner Friedenberger
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