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Falscher Kreuzweg
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Kommentar. Söder räumt ab. Offensichtlich hat sich in den langen Warteschleifen im Anflug aufs bayerische Ministerpräsidentenamt so viel Energie angestaut, dass der Franke nun im Sturzflug alle (echten und gefühlten) Probleme aufspießt und ein für alle Mal beseitigen will. „Putting on the public“, „die Öffentlichkeit anziehen“, diesen Begriff hat der kanadische Medienwissenschaftler Marshall McLuhan für diesen Politikstil erdacht. Gemeint ist damit: Der Handelnde nimmt die Haltung ein, wo sich möglichst viele Menschen gut aufgehoben fühlen. Deshalb steht die Innere Sicherheit ganz oben bei Markus Söder. Siehe Wiedererrichtung der Bayerischen Grenzpolizei und Gründung eines eigenen Landesamts für Asyl. Mit dem Aus für die Skischaukel am Riedberger Horn, die er als Heimatminister mit der Änderung des Alpenplans erst ermöglicht gehabt hätte, bewies er gleich noch seine Wendigkeit. 
Auch wenn Aktion und Aktionismus bei Söder gelegentlich eng beieinander liegen, muss das nicht gleich schlecht sein. Jeder Politiker muss schauen, was die Menschen bewegt und bedrängt und dies spiegeln, will er Erfolg haben und wiedergewählt werden. Er muss die „Öffentlichkeit anziehen“.   
Doch Söder läuft beim Schielen auf den AfD-Wahlerfolg im Bund Gefahr, den Bogen zu überspannen. Das verkorkste Gesetzesvorhaben, das psychisch Kranke in die Nähe von Straftätern rückt, ist ein Beleg dafür. Der Beschluss, in allen staatlichen Behörden Bayerns verpflichtend Kreuze anzubringen, ein weiterer.
Söder begründet die Entscheidung damit, dass das Kreuz kein Zeichen einer Religion sei, sondern Symbol „unserer bayerischen Identität und Lebensart“. Das Kreuz also in einer Reihe mit Trachtenjanker und Neuschwanstein, mit Nürnberger Rostbratwurst und der weißblauen Landesflagge. Bei dieser Reduzierung auf ein Markenlogo muss es eigentlich jedem Christen die Haare aufstellen. 
Kein anderes Symbol steht so sehr für Toleranz und Solidarität, für Menschenwürde und die absolute Nächstenliebe bis zur Selbsthingabe wie das Kreuz. Es ist DAS Ursymbol des Christentums, das für das Heilsversprechen Gottes an die Menschen steht. Es erinnert uns immer und überall an die Worte Jesu: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater außer durch mich (Joh 14,6). Und dieses Symbol soll von der Politik instrumentalisiert werden. Mit Verlaub, das ist der Blasphemie ähnlich nah wie der „Lattengustl“ eines Florian Pronold.
Es bleibt noch Zeit bis zur Landtagswahl. Zeit zum Nachdenken. Überbordende Bürokratie, bezahlbarer Wohnraum, marode Infrastruktur, Flächenfraß, menschliche Verrohung, wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Bildungsgerechtigkeit, Integration. Themen gibt es zuhauf. Und manchmal kann man auch mit echten Lösungen „die Öffentlichkeit anziehen“.
 


Autor: Wolfgang Krinninger
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