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Wo drückt der Schuh?
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Pfarrbefragung Halsbach: Nicht Verlust betrauern, sondern Veränderungen mitgestalten

Menschen ändern sich. Pfarreien ändern sich. Das Glaubensleben ändert sich. Dieser Wandlungsprozess ist unaufhaltsam. Nicht den Verlust von Vertrautem bejammern, sondern den Veränderungsprozess aktiv mitgestalten – das will man in der Pfarrei Halsbach. Eine umfangreiche Pfarrbefragung bereits im letzten Herbst lieferte interessante Ergebnisse, mit denen der neugewählte Pfarrgemeinderat nun – im Sinn eines Arbeitsauftrags – loslegen kann.

Martin Winklbauer – der alte und neue Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Halsbach – ist in seinem Element, wenn er über die Befragung spricht: So seien die Ergebnisse schon in die Konstituierung des neuen Pfarrgemeinderates eingeflossen, indem man sich Fragen gestellt habe wie: Welche Sachausschüsse müssen wir besonders besetzen oder sogar neu gründen? „Dadurch, dass die Periode des Pfarrgemeinderats ja nur vier Jahre dauert, muss man schauen, dass man zügig voran kommt“, ist Martin Winklbauer überzeugt. 
„Die Befragung hat Erstaunliches gebracht“, so der Pfarrgemeinderatsvorsitzende, und meint damit „nicht nur die Ergebnisse, die man in den Diagrammen sieht, sondern zum Beispiel auch die Frage, welche Altersgruppe wie abgestimmt hat.“ Martin Winklbauer schildert ein Beispiel: „Nehmen wir einmal die Beisetzungen. Was den liturgischen Dienst anbelangt, war es sehr interessant zu sehen, wer welche Aussage getroffen hat. Manche meinen, das sollen keine Laien übernehmen, andere hingegen sagen, das können sie sich gut vorstellen. Das klare Nein, möchte man zunächst einmal meinen, kommt von den alten Kirchgängern. Aber das stimmt nicht. Es sind diejenigen, die vorher angekreuzt hatten, dass sie mit der Kirche wenig am Hut haben und nur ein paar Mal im Jahr in die Kirche gehen. Die kirchenfernen Leute sind also eher konservativ. Diese möchten, dass alles beim Alten bleibt. Wenn ich schon einmal in die Kirche gehe, dann soll das so sein, wie es immer war, wie man es abgespeichert hat: Das macht doch der Pfarrer!“ 
Diejenigen, die regelmäßig in die Kirche gehen, nehmen laut Martin Winklbauer den Wandlungsprozess wahr und spüren, dass ein guter Wortgottesdienstleiter auch viel vermitteln könne. Solche erstaunlichen Ergebnisse zeigen dem PGR: „Wo müssen wir Aufklärung machen? Wir müssen nicht bei unseren älteren, regelmäßigen Kirchgängern ansetzen, sondern wir müssen diejenigen mit ins Boot holen, die mit der Kirche nicht viel am Hut haben, die zwar durchaus christlich sind, aber eben nicht in die Kirche gehen!“
Ans Eingemachte geht es bei Themen der Befragung, wie zum Beispiel dem Wunsch nach anderen liturgischen Formen (z.B. „Andacht im Freien“, „lockerer Glaubensaustausch gern auch ohne Eucharistiefeier“, „Wanderungen oder Radltour mit Stationen“, „Fackel-Wanderung“) oder einfach der Wunsch nach einem späteren Gottesdienst-Beginn (8.30 Uhr ist einigen zu früh, die gerade noch mit der Stallarbeit beschäftigt sind oder kleine Kinder haben).
Dazu Martin Winklbauer: „Diese Wünsche sollen auf jeden Fall in Zukunft in die Seelsorge einfließen. Man muss ja nicht gleich alles umkrempeln. Aber mit offenen Augen ans Werk gehen. Ein Beispiel: Bei uns gibt‘s das Vater-Kind-Zelten. Das ist eine wunderbare Sache, bei der die Väter mit ihren Kindern einmal bei uns auf der Waldbühne im Zelt übernachten. Freitag geht‘s normalerweise los. Ab 16 Uhr ist Mütter-Verbot und dann sind nur mehr die Väter zuständig. Da wird gewandert, da gibt´s ein bisschen Abenteuer. Und mit dem Zähneputzen geht‘s einmal auch nicht so genau. Beim letzten Mal waren es über 100 Teilnehmer aus unserem kleinen Dorf – eine wunderschöne Sache! Heuer geht‘s aber so aus, dass die Veranstalter die Übernachtung von Samstag auf Sonntag gelegt haben, das heißt, am Sonntag können die Teilnehmer nicht in die Kirche gehen.“ Deshalb habe man der Gruppe vorgeschlagen: „Machen wir doch den Gottesdienst beim Zeltlager! Die Kinder können für Sonntag einen Altar herrichten. Und wir feiern zum Beispiel einen Wortgottesdienst oder eine Andacht. Andere Formen – das heißt für manche vielleicht einfach auch, andere Orte. Wir sagen: Da nutzen wir jetzt die Gelegenheit und gehen auf die Leute zu!“
Was Martin Winklbauer besonders freut: „Auch Michael Brunn, der Pfarrer unseres Pfarrverbandes, ist der Pfarrbefragung ganz und gar aufgeschlossen gegenüber gestanden. Vom ersten Augenblick, von der ersten Idee war unser Pfarrer voll dafür und hat auch immer wieder positiv hervorgehoben, dass man bei den Leuten anfängt – was auch  der Neuevangelisierung entspricht. Nicht irgendwo in der mittleren Ebene beim Pfarrverband oder Dekanat, sondern ganz unten bei den einzelnen Gläubigen. Und da steht unser Pfarrer voll dahinter!“ 
 
Foto: Uschi Friedenberger


Autor: Uschi Friedenberger
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