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Segen sein ist unsere Identität
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Segen sein ist unsere Identität
„Wir begleiten Familien“ – eine Reportage zum Diaspora-Sonntag am 19. November
 
Ein Leben mit Gott ist nichts für Stubenhocker. Erst im sich Aufmachen für andere, kommt der Segen, den man selbst erhalten hat, zur vollen Entfaltung. Als Christen ist es unsere Identität: Segen sein. Das gilt speziell für die Gemeinschaft mit den Schwestern und Brüder in der Diaspora. Am 19. November ist ein wichtiger Tag der Solidarität mit jenen Glaubensgeschwistern, die in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum in einer extremen Minderheitensituation ihren Glauben leben. Der Diaspora-Sonntag eröffnet die Chance, Segensaufbrüche in der Diaspora zu ermöglichen, durch die der Glaube in einer entchristlichten Gesellschaft neu zur Sprache gebracht wird. Wir stellen auf dieser Seite ein Projekt im lettischen Riga vor. 
 
Geschirrgeklapper, angeregte Tischgespräche, ein CD-Spieler spielt leise Klaviermusik. Einmal in der Woche verwandelt sich das kleine Haus in der Klostera iela 5, inmitten der Rigaer Altstadt, in ein Restaurant der besonderen Art. Serviert wird dann nur ein einfaches Menü, bedient aber werden ausschließlich verheiratete Paare. „Laulato kurss“, also „Ehekurs“, nennt sich die Seminarreihe hier im „Svetas Gimenes Maja“, dem „Zentrum der Heiligen Familie“. Und unter den 20 Teilnehmern sind junge Paare, wie Egita und Sanijs Volinskis. „Eigentlich haben wir keine Probleme in der Ehe“, sagten die beiden Mittdreißiger. Da sie aber beruflich sehr eingespannt und mit ihren fünfjährigen Zwillingen und der zweijährigen Tochter viel beschäftigt sind, bleibt oft wenig Zeit für Zweisamkeit. „Es ist gut, wenn nur wir beide ein wenig Zeit miteinander verbringen und sei es nur ein gemeinsames Essen“, sagt die 35-jährige Egita. „Hier machen wir aber noch mehr: Manchmal bekommen wir Hausaufgaben auf und sollen dann darüber sprechen.“ Ins Gespräch kommen über die eigene Beziehung, darum gehe es bei den Paarabenden im Gimenes Maja, sagt Dainis Stikuts. Zusammen mit seiner gleichaltrigen Frau Baiba leitet der 45-Jährige die Ehekurse für Verheiratete und kann sich vor Anmeldungen nicht retten. „Paare brauchen eine gemeinsame Tradition, wie ein Essen nur zu zweit“, sagt er aus der Erfahrung seiner 23 Ehejahre. Das Motto mancher Abende laute daher „Rendezvous“, dann gehe es darum, den Funken in langjährigen Beziehungen nicht zu verlieren, konstatiert Dainis. „Kirche bringt dann die Romantik“, lacht er. 
Es gibt bei den Abenden immer wieder Vorträge zum Familienleben und die Teilnehmer bekommen Arbeitshefte mit nach Hause. Darin stehen Tipps für Paare und auch manch Aufgabe, die gemeinsam mit dem Partner gelöst werden soll oder zur Reflektion über die eigene Beziehung anregen. „Der lettische Staat bereitet die Menschen nicht auf die Ehe vor“, konstatiert Andris Kravalis. Als Pfarrer der Maria-Magdalena-Kirche auf der gegenüberliegenden Straßenseite, zugleich Träger des „Svetas Gimenes Maja“, kennt er die soziale Situation in Lettland gut.
So kommen statistisch auf 10 Eheschließungen 6 Scheidungen und fast jedes zweite Kind wird in Lettland nicht in eine Familie hineingeboren. Jene familienfeindliche Struktur sei noch ein Überbleibsel aus der Sowjetzeit, in der die katholische Kirche und somit ein christliches Menschenbild unterdrückt wurde. „Unsere Gesellschaft sieht Familie zu wenig als Wert an“, sagt Kravalis. „Es wird zu wenig getan, um Familien zu stärken.“
Dem will das „Svetas Gimenes Maja“ entgegentreten. „Wir begleiten Familien“, sagt die Direktorin Inese Švekle und das „in guten und in schlechten Zeiten“. So gibt es nicht nur Ehekurse, sondern auch Angebote für junge Eltern aber auch Seniorengruppen. Zudem bestehen Therapieangebote für Menschen in Not und auch die Selbsthilfegruppen, wie Anonyme Alkoholiker, versammeln sich unter dem Dach des „Svetas Gimenes Maja“.
Das Zentrum wurde 2015 eröffnet. „Die Räume waren in einem schlechten Zustand, erst eine großzügige Unterstützung des Bonifatiuswerkes hat die Sanierung und die Eröffnung ermöglicht“, sagt Pfarrer Kravalis. Das Bonifatiuswerk hat 100.000 Euro für das Familienzentrum zur Verfügung gestellt und zur Einweihung kam Monsignore Georg Austen persönlich nach Riga. Der Generalsekretär des Bonifatiuswerks überbrachte ein weiteres, wenn auch kleineres Geschenk. Ein buntes Kreuz, das nun über der Eingangstür hängt. „Es symbolisiert die Vielfalt unseres Hauses“, freut sich Direktorin Inese. „In Sorge für die Familie.“
 
Foto: Markus Nowak


Autor: Markus Nowak
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