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Ehrlichkeit in der  Ökumene
Ehrlichkeit in der  Ökumene
Ehrlichkeit in der Ökumene
Kommentar. Gelegentlich kann es dauern, dass wieder etwas zusammenwächst, was früher verbunden war. Die Meerenge von Gibraltar mag ein Beispiel dafür sein. Während der letzten Eiszeit soll man noch trockenen Fußes von Europa nach Afrika gekommen sein. Im Laufe der Erdgeschichte, im Geographieunterricht hat man uns das beigebracht, haben Atlantik und Mittelmeer diese Straße geflutet. Viele kluge Menschen zerbrechen sich den Kopf, wie der Weg unter oder über diese Wasserstraße mit baulichen Mitteln zu überwinden sei. Tunnel, Brücke, Staudamm? Die Schubladen sind voll mit Plänen! Einer hat den anderen im Blick, bei schönem Wetter kann man – an der kürzesten Stelle – das nur 14 Kilometer entfernte Ufer sehen. Die Sehnsucht nach Zusammensein wächst, und doch ist der Weg weit – so wie beim Zusammenwachsen unter evangelischen und katholischen Christen.
Sie beißen nicht! Die größte Überraschung des Reformationsgedenkjahres ist, so war zu vernehmen, wie gut Katholiken und Protestanten miteinander auskommen. Auch wir im Bistum Passau haben die gegenseitigen Verurteilungen von einst bereut und bedauert und gefeiert, dass uns nun so viel verbindet – gottlob. Höchste Zeit, möchte man sagen, denn: In allen Lebensbereichen haben Protestanten und Katholiken täglich miteinander zu tun.
  Doch bei aller Freude über gegenseitige Wertschätzung gehört zu einer ehrlichen Bilanz auch das freimütige Benennen von Anfragen und Sorgen. Wir sind – bei allen Unterschieden – keine Gegner mehr. Gerade das Luther-Jahr hat gezeigt, dass es zwischen den Konfessionen menschlich viel Verbindendes, aber in der Lehre doch gravierend Trennendes gibt. Mehr Ökumene wagen! Aber wie? Ist das nicht die Quadratur des Kreises?
Bei Johannes heißt es: „...dass sie alle eins seien ... auf dass die Welt glaube...“ Theoretisch würde sich das Aufgeschriebene des Evangelisten als Überschrift für die „(Ver)-Einigungsurkunde“ anbieten – wäre da nicht die Praxis. Einheit nach dem „Muster“ Deutsche Einheit, wonach eine Seite einfach zur anderen geht, wird wohl nicht funktionieren. Unterschiedliche Sichtweisen tun sich, salopp gesagt, beim Spitzenpersonal auf. Während sich Kardinal Reinhard Marx für eine Wiedervereinigung der Kirchen ausgesprochen hat, überraschte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, mit der Aussage: „Eine Einheitskirche finde ich genauso langweilig wie eine Einheitspartei.“
Und der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki legte den Finger gar tief in die Wunde. Grundlegende Unterschiede schlicht in sich „wechselseitig bereichernde Dimensionen“ umdeuten zu wollen, sei „Etikettenschwindel“. Auch das Ziel einer gegenseitigen Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl ist für den Kirchenmann aus dem Land der Reformation nicht näher gerückt. Eine Konfession könne die andere nicht einladen, solange es kein gemeinsames Christusbekenntnis gebe. 
Wer den gemeinsamen Einzug ins ökumenische Haus hinkriegen will, muss nicht nur 500 Jahre alte Stolpersteine, die die Kubatur von Bergen im Himalaya-Ausmaß zu haben scheinen, aus dem Weg räumen. Es sind ja noch welche hinzugekommen in moral- und sozialethischen Fragen, etwa bei Haltungen zum Embryonenschutz, zur „Ehe für Alle“ oder Sterbehilfe. Als Hausaufgabe stünde zunächst einmal Grundlegendes an: Evangelische und katholische Seite haben keine gemeinsame Vorstellung vom inhaltlichen Ziel der Ökumene.
„Ich glaube schon, dass wir die Einheit der Christen noch erleben, ich bin nur nicht ganz sicher, ob ich dann noch auf Erden bin oder schon im Himmel.“ So äußerte sich heuer in Altötting Kurt Koch aus Rom, Kurienkardinal und „oberster Minister“ für die Ökumene weltweit im Gespräch mit dem Passauer Bistumsblatt. Nun, Gottes Mühlen mahlen langsam. Und auf die Einheit mit den orthodoxen Brüdern und Schwestern wird schließlich schon gute 963 Jahre lang gewartet. Auch hier gilt: Die Hoffnung auf eine tragfähige Brücke stirbt zuletzt – so wie bei der Straße von Gibraltar.
 


Autor: Werner Friedenberger
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