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Spuren der Nächstenliebe
Spuren der Nächstenliebe
Spuren der Nächstenliebe
Kommentar. Wer bei der Kirche arbeitet, braucht einen starken Glauben. Man mag es ja fast nicht laut sagen, aber dieser Satz ist mir früh begegnet, als ich vor achteinhalb Jahren die Leitung des Passauer Bistumsblatts übernommen hatte. Und ich hörte ihn mehr als einmal. Ob auf Verlegertagungen, im privaten Umfeld oder im Gespräch mit Politikern oder Leuten aus der Wirtschaft: Euphorie und Freude kam beim Thema Kirche selten auf. Allzu oft war vom „sinkenden Schiff“, von der „nicht zeitgemäßen Institution“, von Doppelmoral die Rede. Als dann 2010 das erschütternde Ausmaß des Missbrauchs von den Fünfzigerjahren bis in die Achziger publik wurde – und die kaum weniger erschütternde (Un)Kultur des Wegschauens und Vertuschens –, gab es kein Halten mehr. Tiefer konnte die Kirche kaum fallen. 
Und doch bin ich nie in diesen Sog geraten. Natürlich graust es mir, wenn ich höre und lese, zu welch abscheulichen Taten auch Kirchenleute fähig waren. Manchmal möchte ich auch aus der Haut fahren, weil ich das Gefühl habe, dass der „Dampfer“ Kirche träge und schwer an einer rasant sich wandelnden Lebenswelt vorbeischwimmt. Und gelegentlich zieht es mich runter, wenn ich spüre, mit welchem Desinteresse und manchmal sogar mit Häme Teile der Bevölkerung „meiner“ Kirche begegnen. Und doch ist sie genau das geworden: „meine“ Kirche. Ich stehe ihr heute näher denn je, empfinde sie als Heimat, als Zuflucht, als Ort der Hoffnung und der Zuversicht. Und an den besten Tagen spüre ich: Mein Glaube schafft das, was eine süße Limonade aus Österreich in der Werbung verspricht: Er verleiht Flügel. 
Ob dabei der Heilige Geist im Spiel ist? Wer weiß? Bestimmt trägt dazu bei, dass ich heute meinen Glauben intensiver lebe als ich es getan habe, bevor ich bei der Kirche zu arbeiten begann. Aber mit am meisten liegt es wohl an den Menschen, denen ich in den letzten Jahren begegnet bin – persönlich oder in Büchern und Zeitungen. Natürlich kommt da sofort Papst Franziskus ins Spiel, der mit einem schüchternen „Buona sera“ auf den Balkon des Petersdoms trat und dann in kurzer Zeit die katholische Welt auf den Kopf gestellt hat. Mit Charme und Charisma faszinierte der Pontifex „vom anderen Ende der Welt“ und bringt damit auch die Kirche wieder ein wenig stärker zum Leuchten. Dann gibt es viele weitere kluge, geistvolle Frauen und Männer, die ich kennenlernen durfte und die mir Gelegenheit gaben, ein wenig an ihrem Kosmos teilzuhaben. 
Aber am meisten beeindrucken mich all die „kleinen (Kirchen)Leute“, die mir Woche für Woche begegnen: der Kirchenpfleger, der tagelang bis weit in die Nächte hinein auf den Beinen ist, damit „seine“ Kirche wieder zu einem würdigen Ort wird, wo man die Lebensfeste gerne feiert. Die Frauen in der Pfarrbücherei, die alles daran setzen, dass Kinder und Jugendliche Literatur kennen und schätzen lernen, weil sie wissen, wie sehr gute Bücher das Leben bereichern. Die Gesangslehrerin, die auch Menschen mit Handicap zu einem großen Auftritt auf der Bühne verhilft. Es gibt so viele solcher Menschen, die bewusst oder unbewusst aus dem Evangelium leben und leise Spuren der Nächstenliebe legen. Sie tun dies ohne Tamtam. Stille Vorbilder, Zeugen eines lebendigen Christentums, eines starken Glaubens. Schön, wenn man mit diesen und für diese Menschen arbeiten darf.
 


Autor: Wolfgang Krinninger
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